Reflexion und Fazit

Liebe Leser

Es ist nun bereits mehr als zwei Monate her, seit wir unseren ersten Blogeintrag veröffentlicht haben. Zwei Monate in denen wir uns gründlich über Selfies informierten, uns durch Artikel im Internet und in Zeitungen wühlten und uns so intensiv wie möglich mit den verschiedensten Selbstportraits auseinandergesetzt haben…
Wir denken, dass nun ein passender Zeitpunkt gekommen ist, unsere Aussagen und wichtigsten Inhalte nochmals kurz Revue passieren zu lassen.

Wir haben erfahren, dass das Thema Selfie in den vergangenen Jahren sehr hohe Wellen in den Medien geschlagen hat und auch heute immer wieder neue Beiträge über diese Selbstportraits in den Schlagzeilen auftauchen. Auch empirische Forschungen von verschiedenen Wissenschaftlern, aus verschiedenen Ländern, wurden bereits über dieses Phänomen erstellt und veröffentlicht. Dabei wurden unter anderem spannende Fakten über die Demographie, die gewählten Posen oder den Ausdruck im Zusammenhang mit Selfies erhoben.

Des Weiteren haben wir gelernt, dass die Selbstdarstellung keinesfalls eine neuartige Erscheinung ist, sondern schon in der Steinzeit durch Höhlenmalereien ausgelebt wurde. Die Methodik entwickelte sich dann entsprechend weiter, über das Meisseln von Skulpturen in der Antike oder die Malerei von Selbstportraits in der Renaissance, bis hin zu den ersten Fotografien im 19. Jahrhundert.

Uns wurde ebenfalls bewusst, wie kreativ gewisse Selfie-Knipser sein können. Dies zeigen uns die gegenwärtigen Selfie-Trends deutlich genug. So können die Fotografien in Badezimmern, während dem Ausführen von Extrem-Sportarten, nach oder während dem Sex, oder auch mal auf Beerdigungen entstehen.

Ob Selfies im Allgemeinen nun gut oder schlecht sind, darüber zerbrachen wir uns dann lange den Kopf. Auf der einen Seite sind sie unterhaltsam, pushen das Ego und liefern uns Gesprächsstoff. Andererseits sind sie oberflächlich und oftmals nicht besonders sinnvoll. Schlussendlich muss aber wohl jeder für sich selbst entscheiden, ober er diese Bilder mag oder eben nicht.

Durch unsere durchgeführte Umfrage war es uns schliesslich noch möglich, ein bisschen zu erfahren, wie IHR denn so zu diesen Selbstfotografien steht. Ihr habt uns gezeigt, dass keine klare Grenze zwischen ethischen und unethischen Selfies gezogen werden kann und jedes Foto eine andere Wirkung auf die Betrachter oder die Abgebildeten haben kann.

In den letzten zwei Monaten haben wir vieles sehen und erfahren dürfen und auch in der Zukunft können wir uns wohl auf weitere spannende, skurrile, fragwürdige oder umstrittene Selfies freuen.

Autorin: Jeannine Näf
Co-Autorin: Monika Stucki

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Informationsethik – Die Dargestellten

In unserem vorhergehenden Blog haben wir euch die Sicht der „Täter“ näher gebracht. Wir wollen aber nicht die „Opfer“ vergessen, die Objekte vor der Linse, die unfreiwilligen Dargestellten. In den Beiträgen „Der Trend der Trends“ und „Der Trend geht weiter“ haben wir aufgezeigt, dass Selfies an den skurrilsten Orten und in den unglaublichsten Momenten aufgenommen werden. Wie zum Beispiel an einer Beerdigung. Als unberührter Betrachter des Bildes kann man sich natürlich seine Meinung in jeder erdenklichen Weise bilden. Man kann absolut dafür, total dagegen oder einfach wie die Schweiz, neutral, sein. Auch als Fotograf kann man sich freuen oder aufregen über die Qualität des Selfies. Doch zuletzt dürfen nicht diejenigen vergessen werden, die möglicherweise ungefragt und ungewollt abgelichtet werden.

Zu Beginn des Jahres kursierten Fotos im Web und auf den Smartphones, die einem neuen Trend folgten: Selfies mit Obdachlosen.

homeless guy background

Obdachlose als Selfie-Trophäe (Blick.ch, 2014)

Wie so oft gab es auch hier wieder Fürsprecher und Gegner. Und wahrscheinlich glaubte jeder, besser zu wissen, was Recht ist und was nicht.

In unserer Umfrage haben wir nach der persönlichen Meinung gefragt und wollten wissen, welche Fotos eher als super und welche dann doch als furchtbar angesehen werden. Die Ergebnisse, welche wir zu einem Teil bereits im Beitrag „Informationsethik – Die Darsteller“ behandelten, sprechen wohl für sich. Hier möchten wir noch etwas mehr auf die mögliche Gründe eingehen und diese von einer anderen Seite beleuchten.

98 Teilnehmer zur Frage, was sie von Gruppen-Selfies halten (Umfrage, 2014)

98 Teilnehmer zur Frage, was sie von Gruppen-Selfies halten (Umfrage, 2014)

Die Meinungen bei Gruppen-Selfies sind sehr zerstreut. Dies kann unter anderem daran liegen, dass sich die Befragten keine Gedanken darüber gemacht haben, sich nicht so richtig entscheiden konnten oder längst genervt sind von diesem Trend. Manch einer hatte womöglich das Oscar-Selfie von Ellen DeGeneres (wir berichteten im Beitrag „Die Wissenschaft der Selfies“) im Kopf, während die Anderen dabei an ihre Freunde dachten.

Ebenso verhält es sich bei den Obdachlosen als „Objekt“. Wie schon im ersten Beitrag erwähnt, ist sich die Mehrheit zwar einig, dass solche Bilder furchtbar sind, dennoch gibt es Teilnehmer, die sich auf keine Seite schlagen wollten. Hier sollte man bedenken, dass es auch schöne fotografische Darstellungen mit Obdachlosen gibt, für welche diese ziemlich sicher ihre Einwilligung gaben.

98 Teilnehmer zur Frage, was sie von Selfies mit Obdachlosen halten (Umfrage, 2014)

98 Teilnehmer zur Frage, was sie von Selfies mit Obdachlosen halten (Umfrage, 2014)

Während es bei den Obdachlosen knappe zwei Drittel sind, werden die Beerdigungs-Selfies bereits von mehr als ¾ der Teilnehmer als verwerflich wahrgenommen. Dies könnte daran liegen, dass eine Beerdigung an sich schon eine traurige Sache ist. Dabei aber noch ein Abbild von sich zu machen, am besten lächelnd, überschreitet wohl die Gemütsgrenze vieler. Verständlich, wie wir finden, besonders bei Darstellungen mit Verstorbenen im Hintergrund.

Die Erkenntnis, dass gesellschaftliche Ansichten variieren, hätten wir damit schon mal erlangt. Dies liegt wohl vor allem auch an den Moralvorstellungen, mit denen wir in unserem Umfeld aufwachsen und erzogen werden. Doch was ein Individuum beim unfreiwilligen Ablichten seiner selbst empfindet, ist damit noch immer nicht geklärt. Diese Antworten geben uns die letzten Resultate unserer Umfrage:

Ergebnis zur Frage "Würde es dich stören, wenn ungefragt ein Selfie ins Internet gestellt wird, auf dem auch du drauf bist?" (Umfrage, 2014)

Ergebnis zur Frage “Würde es dich stören, wenn ungefragt ein Selfie ins Internet gestellt wird, auf dem auch du drauf bist?” (Umfrage, 2014)

Ja! Gerade einmal ein Viertel würde sich nicht daran stören, ein Selfie von sich im Internet zu finden, von dessen Existenz er oder sie noch nicht einmal wusste. Diese Einstellung passt gut zu den Ergebnissen der subjektiven Ansichten. Denn viele, die sich selbst nur widerwillig auf einem fremdgeknipsten Selbstportrait wieder finden wollen, würden wohl auch nicht zwingend ein Selfie ungefragt im Web verbreiten. Für alle Anderen gilt das Sprichwort: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus“. Wer also selber Abbilder anderer ohne deren Erlaubnis veröffentlicht, muss damit rechnen, dass ihm dasselbe geschieht.

Zu guter Letzt wollten wir wissen, wie sich die Teilnehmer unter keinen Umständen auf einem Selfie sehen wollen. Der Grossteil der Befragten möchte sich demnach nie nackt sehen auf einem Selbstportrait. 13 Teilnehmer verzichten zudem gerne darauf, unter Alkoholeinfluss abgelichtet zu werden. Die meisten Antworten weisen darauf hin, dass sich die Leute ungern in einem erniedrigenden Zustand fotografieren lassen. Unserer Meinung nach die originellste Antwort war wohl: „Verkleidet als Hot Dog vor einem Hund weg rennend“.

Durch die Interpretation verschiedener Blickwinkel in diesen Beträgen, möchten wir dazu animieren, sich auch mal mit den eigenen Taten auseinanderzusetzen. Denn was für uns manchmal so belanglos scheint, kann für andere die Welt verändern.

Autorin: Monika Stucki
Co-Autorin: Jeannine Näf

Informationsethik – Die Darsteller

Verantwortungsbewusstsein… ein tolles Stichwort um diesen Eintrag zu beginnen! Wir haben in unserem Blog bereits einige Stories gehört, bei welchen es einem leicht fällt, davon auszugehen, dass einige Selfie-Knipser kein besonders grosses Gewissen (oder Schamgefühl) besitzen. Wann aber hört der Spass auf? Und wo setzt man die Grenze, welche man aus ethischen und moralischen Gründen keinesfalls übertreten sollte?

Ergebnis zur Frage "Hast du schon einmal Selfies gesehen, die du moralisch nicht korrekt findest?" (Umfrage „Trend: Selfies - Ethik aus Sicht von Darsteller und Dargestelltem“, 2014)

Ergebnis zur Frage “Hast du schon einmal Selfies gesehen, die du moralisch nicht korrekt findest?” (Umfrage „Trend: Selfies – Ethik aus Sicht von Darsteller und Dargestelltem“, 2014)

Mit unserer Online-Umfrage, wollten wir hierzu auch eure Meinungen erfahren. Sicher ist, dass die Anzahl von ethisch fragwürdigen Selfies schon heute sehr gross ist, und bestimmt noch weiter wachsen wird. Denn über 65% von euch haben angegeben, schon solch moralisch verwerfliche Selbstbildnisse gesehen zu haben. Das Empfinden, welche Selfies als ethisch tragbar angesehen werden und welche nicht, variiert dabei jedoch enorm und wird nicht von jedermann gleich wahrgenommen.

So sind beispielsweise 82% aller Befragten gegenüber Selfies, welche auf Beerdigungen aufgenommen wurden, eher negativ gestimmt. Und ganze 53% davon empfinden diese Fotografien sogar als furchtbar! Selbstportraits, welche zusammen mit Obdachlosen aufgenommen wurden, scheinen aber schon eher toleriert zu werden. Denn 33%, also rund ein Drittel, geben an, eine neutrale oder gar positive Haltung gegenüber jenen Selfies zu haben. Es ist also gar nicht mal so einfach, eine klare Grenze zwischen ethisch und unethisch zu ziehen.

Trotzdem gibt es gewisse Bilder, bei denen die Ausdrücke „Ethik“ und „Moral“ definitiv falsch am Platz wären…Wie leichtfertig vereinzelte Menschen mit ihren Kameras umgehen können, zeigen etwa die folgenden Selbstportraits. Egal ob im Gefängnis, im Krankenhaus, in einem Konzentrationslager oder währendem verängstigte Menschen in einem Fahrstuhl festsitzen… die Chance auf ein paar Likes und Aufmerksamkeit vermag bei gewissen Personen den Verstand wohl durchaus auszuschalten.

Gefängniskrankenhaus

“Die unwürdigsten Selfies des Internets” (Comedy Central 2013)

“Die unwürdigsten Selfies des Internets” (Comedy Central 2013)

lift

Kürzlich schlug auch ein besonders leichtsinniger Selfie-Knipser im Internet grosse Wellen. In diesem Fall wurde dem Jugendlichen für sein verantwortungsloses Verhalten jedoch immerhin eine gerechte, wenn auch sehr schmerzhafte, Lehre erteilt. Aber seht selbst:

Dieses Video zeigt uns auch, dass bereits einige Personen (in diesem Fall der Zugfahrer) ganz schön die Nase voll haben von solchen Darbietungen. Zum Glück stellen diese gedankenlosen, gefährlichen und teilweise auch Gefühle-Verletzenden Selfie-Poster aber eine Minderheit dar. Bleit nur zu hoffen, dass sie dies auch bleiben.

Autorin: Jeannine Näf
Co-Autorin: Monika Stucki

Ethik vs. Selfies

Ethik – Definition laut Duden:
  • “philosophische Disziplin oder einzelne Lehre, die das sittliche Verhalten des Menschen zum Gegenstand hat; Sittenlehre, Moralphilosophie”
  • “die Ethik darstellendes Werk(bildungssprachlich) Gesamtheit sittlicher Normen und Maximen, die einer [verantwortungsbewussten] Einstellung zugrunde liegen”
 (Bibliographisches Institut GmbH 2013).

So einfach könnte es sein, Ethik zu definieren. Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Genau, wie es auch bei Selfies verschiedene Blickwinkel gibt. Hierbei kann man zwischen zwei Parteien unterscheiden: Dem Subjekt und dem Objekt bzw. dem Darstellenden und dem Dargestellten.

Die darstellende Person ist sich möglicherweise nicht immer bewusst, in wieweit sie in die Privatsphäre eines anderen Individuums eingreift. Wer beispielsweise in der Öffentlichkeit ein Selbstportrait schiesst, denkt selten darüber nach, ob im Hintergrund noch jemand anderes zu sehen ist. Der wichtigere Punkt dabei ist jedoch, dass diese Hintergrund-Statisten fast nie um deren Einverständnis gebeten werden.

Aus der Sicht eines Selfie-Fotographen scheint dies kein Problem zu sein. Immerhin geht es nicht um die Leute, die im Hintergrund zu sehen sind, ob erkennbar oder unscharf. Die unabsichtlich Fotografierten sehen das allerdings etwas anders. Da man bei Selfies davon ausgehen kann, dass sie ins Internet geladen werden, muss man als abgebildetes Objekt auch mit dem Verlust des Persönlichkeitsschutzes rechnen. Denn was einmal im Internet ist, bleibt für immer im Netz.

Aussagen über die verschiedenen ethischen Ansichten sind leicht gemacht, doch wir wollen diese auch belegen. Daher haben wir eine Umfrage erstellt und an Familienmitglieder, Freunde und Bekannte jeden Alters gesandt. Die daraus entstandenen Ergebnisse lassen sich sehen, weshalb wir sie auch niemandem vorenthalten möchten. Die Umfrage enthielt insgesamt 13 Fragen bezüglich der Herstellung und Online-Verbreitung von Selfies sowie moralischen Ansichten. Hier einige der wichtigsten Outputs:

Die erste Frage, ob man schon einmal ein Selfie gemacht habe, wurde von rund 90% mit ja beantwortet. Davon haben mehr als 60% ihre Selbstbildnisse online gestellt. Lediglich 10 von 104 Teilnehmern verneinten die Frage.

Ergebnis zur Frage "Hast du schon einmal ein Selfie gemacht?" (Umfrage „Trend: Selfies - Ethik aus Sicht von Darsteller und Dargestelltem“, 2014)

Ergebnis zur Frage “Hast du schon einmal ein Selfie gemacht?” (Umfrage „Trend: Selfies – Ethik aus Sicht von Darsteller und Dargestelltem“, 2014)

Von den 94 bekennenden Selfie-Knipsern gaben zudem über 75% an, dass sie sich auf den Fotos natürlich geben. Es gab also nur gerade ein Viertel zu, dass ihre Selfies mehr oder weniger gestellt sind. Es bleibt aber die Frage offen, ob sie sich wirklich natürlich geben oder ob es ihnen nur so vorkommt.

In den folgenden zwei Beiträgen wollen wir noch etwas mehr auf die ethischen Sichten eingehen und versuchen, diese zu differenzieren. Gleichzeitig wollen wir weitere Ergebnisse unserer Umfrage, die selbstverständlich anonym durchgeführt wurde, preisgeben. Also: Nicht verpassen, es könnte spannend werden!

Autorin: Monika Stucki
Co-Autorin: Jeannine Näf

Contra Selfies: Warum wir gerne darauf verzichten

Wo es Fürsprecher gibt, äussern sich meist auch Gegner. Darum werde ich die beiden Beiträge „Pro Selfies: Warum wir Selfies lieben“ nicht unkommentiert lassen. Obwohl auch ich schon Selfies gemacht, und online gestellt habe, bin ich kein Fan dieser Selbstportraitierungen. Ich möchte euch mit ein paar gezielten Argumenten davon überzeugen, dass es definitiv sinnvollere Zeitvertreibe gibt.

1. Selfies sind oberflächlich
Selbstverständlich kann man sich auf einem Selfie natürlich geben. Und meist werden sie nicht bearbeitet. Trotzdem wird selten das erste Foto verwendet. Man stylt sich auf, sucht sich einen geeigneten Platz und posiert dementsprechend. Es geht dabei weder um innere Werte, noch um die Person, die sich ablichtet. Im Zentrum stehen Äusserlichkeiten. Und so mancher einer scheint auch bereit zu sein, sich für ein gutes Selfie unters Messer zu legen (nachzulesen im Beitrag „Die Wissenschaft der Selfies“).

2. Selfies sind für Spinner
Eines absurder als das andere. Von Selfies im Weltraum, über Selbstdarstellungen auf Beerdigungen bis hin zu den sogenannten Sellofies (siehe Bild unten). Der Selfie-Trend funktioniert ganz nach dem Motto „je verrückter, desto besser“. Längst will man nicht mehr nur schön aussehen. Doch es stellt sich mir die Frage, wie verrückt man wirklich sein muss, um überhaupt auf solche Ideen zu kommen. Es scheint mir sinnlos, sich das Gesicht mit Klebeband einzuwickeln oder eine fürchterliche Grimasse zu schneiden. Natürlich kann man sich darüber amüsieren, aber irgendwann ist auch dieser Lutscher gelutscht und einfach nicht mehr lustig.

Sellotape Selfies – Sellofies (VirtualNights, 2014)

Sellotape Selfies – Sellofies (VirtualNights, 2014)

3. Selfies-Knipsen ist Zeitverschwendung
Wenn man von Teenagern wie Danny Bowman hört (wir berichteten im Beitrag „Spieglein, Spieglein – Bin ich süchtig?“), könnte man meinen, es gäbe nichts Wichtigeres zu tun. Es gibt Menschen, die ihr Leben zu ordnen haben, während sich andere die Haare für ein Selfie zurecht machen. Kinder auf der ganzen Welt hungern und dursten, während andere ihre Zeit mit der Knipserei vergeuden. Viele gehe arbeiten, versorgen ihre Familie und kümmern sich um ihre Haushalte, während andere hunderte von Fotos machen, nur um eines online stellen zu können. Es sieht so aus, als habe die Welt keine anderen Probleme, ausser die Suche nach dem perfekten Selfie.

4. Selfies sind sinnlos
Vieles, was wir tun, bringt uns einen Nutzen. Ich habe allerdings noch nicht herausgefunden, was wir von Selfies haben. Wir kriegen weder Geld dafür, noch sehe ich in der Realität besser aus. Auch bleibe ich dadurch nicht gesund oder werde intelligenter. Und ich habe weder etwas zu Essen deswegen, noch geben diese Abbilder warm. Was also haben wir davon? Natürlich kann man sein Ego stärken durch die Likes, die man bekommt. Aber fühle ich mich nicht viel besser, wenn ich auf der Strasse, im Zug oder im Ausgang ein Kompliment erhalte? Ich für meinen Teil kann keine Vorteile an einem Selfie entdecken.

Mit diesen Hauptargumenten sollte klar werden, dass dieser Trend weder gerechtfertigt, noch nützlich ist. Es ist einfach nur eine Modeerscheinung, von der wir nur hoffen können, dass sie bald ein Ende findet.

Wie die Gallier wohl sagen würden: Die spinnen, die Selfie-Knipser.

Autorin: Monika Stucki
Co-Autorin: Jeannine Näf

Pro Selfies: Warum wir Selfies lieben – Vier weitere Gründe

Im vorhergehenden Eintrag haben wir nun bereits einige positive Seiten von Selfies kennengelernt, doch das war natürlich noch nicht alles! Hier wie versprochen nochmals vier Argumente, welche für unsere beliebten kleinen Selbstportraits sprechen:

5. Selfies bringen uns einander näher
Sich körperlich jemandem annähern war wohl noch nie so einfach wie heute!
Denn hierfür braucht man doch nur mal kurz sein Smartphone aus der Hosentasche zu zücken und dabei den Wunsch zu äussern, den Moment auf einem Selfie festhalten zu wollen… Und bevor man auf den Auslöser klicken kann, ist es natürlich Pflicht, dass man dabei so nahe wie möglich zusammenrückt, damit auch alles schön aufs Bild passt. Von der peinlichen „während-dem-vorgetäuschtem-Gähnen-sich-unauffällig-Strecken-und-dabei-den-Arm-um-ihre/seine-Schultern-legen“-Masche können wir uns also von nun an getrost verabschieden.

6. Selfies sind intim
Sie zeigen uns zum Beispiel wo unsere Freunde oder unsere Lieblings-Schauspieler ihren Urlaub verbringen, wer mit dabei war, was sie im Restaurant gegessen haben und welches Kleidungsstück sie dabei anhatten. Und so ermöglichen uns so einige Selfie-Poster einen sehr tiefen Einblick in ihr Leben, den wir ohne diese fotografischen Selbstportraits wohl nie so bekommen hätten.

7. Selfies helfen uns, sich zu erinnern
Sei es Zuhause mit dem neuen Hündchen, in Ägypten auf einem Kamel, auf den Malediven während dem Schnorcheln, oder beim Campingausflug mit den besten Freunden… das Knipsen von Selfies ist ein perfektes Hilfsmittel, um alle bedeutenden Augenblicke in eurem Leben auf ewig festzuhalten. Ihr könnt euer Tagebuch also gut auch mal beiseitelegen, denn von Hand zu schreiben dauert sowieso viel zu lange und Papier und Tinte kosten Geld. Und ohnehin heisst es doch: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“.

8. Und last but not least: Selfies pushen das Ego
Warum lieben wir es so, uns selber zu fotografieren? Sind wir insgeheim alle kleine Narzissten? Bei einigen mag dies durchaus der Fall sein, dennoch bin ich mir sicher, dass nur ein kleiner Teil der Selfie-Poster selbstverliebte Egozentriker sind. Häufig ist es doch so, dass wir Selfies dann posten, wenn wir endlich mal der Meinung sind, keinen Bad-Hair-Day zu haben oder auch mal nicht so aussehen, als hätten wir die ganze Nacht durchgezecht. Und durch die Kommentare und Likes von seinen Freunden dann auch noch die Bestätigung zu erhalten, dass das, was sie sehen, gar nicht mal so übel ist, tut unserem Selbstwertgefühl doch einfach nur gut.

Autorin: Jeannine Näf
Co-Autorin: Monika Stucki

Pro Selfies: Warum wir Selfies lieben – Vier erste Gründe

Ja, ich gebe es zu. Ich bin eine regelmässige Selfie-Knipserin und bereue (bis jetzt) keines davon! Und wenn ich mich ein wenig auf den Profilen meiner Facebook-Freunde umschaue, wimmelt es auch bei ihnen nur so von diesen Bildchen. Leider ist es momentan aber doch so, dass in den Medien bezüglich Selfies nur noch selten positive, dafür aber vorwiegend negative Schlagzeilen zu finden sind (wie beispielsweise in unserem letzten Eintrag Spieglein, Spieglein – Bin ich süchtig? nachzulesen). …für mich stellt dies also umso mehr einen Grund dar, endlich mal wieder hervorzuheben, dass Selfies keinesfalls nur von Übel sind!

In diesem und dem nächsten Blogeintrag habe ich euch nun acht Punkte zusammengetragen, welche Selfies so grossartig machen. Hier die ersten vier:

1. Selfies sind ehrlich
Klar, aus den vielen Fotos die man geschossen hat, sucht man sich dann doch nur das Allerbeste aus, um es online zu posten, aber: Nimmt man die Bilder mit seinem Smartphone auf, macht man sich erfahrungsgemäss doch nicht noch extra die Mühe, seine glänzende Stirn oder seine etwas breitere Hüfte im Nachhinein mit Photoshop zu retuschieren. Man kann also im Grossen und Ganzen davon ausgehen, dass die abgebildeten Personen, zumindest zum Aufnahmezeitpunkt, auch tatsächlich so ausgesehen haben müssen.

2. Selfies sind unterhaltsam
Sind wir mal ehrlich… was erfreut einen mehr als sich in einer langweiligen Minute die charmanten und liebreizenden Bilder seines heimlichen Schwarmes durchzuklicken? Und auch die peinlichen Ausgangs-Selfies der sonst so seriösen Arbeitskollegen, inklusive Bierflaschen und expressiven Posen, haben einen doch schon in manch traurigen Augenblicken aufheitern können.

3. Selfies-Knipsen ist einfach
Um ein einigermassen ansehnliches oder aussergewöhnliches Selfie zu schiessen, muss man weder ein preisgekrönter Fotograf sein, noch aussehen wie Germanys-Next-Topmodel. Man benötigt lediglich eine funktionierende Kamera und, je nach dem, auch etwas Zeit. Es ist unkompliziert, kostet nichts, erfordert nicht besonders viel Geschick und macht doch trotzdem in den meisten Fällen eine Menge Spass.

4. Selfies liefern Gesprächsstoff
Denn nachdem wir ein besonders schönes, hässliches, verdrehtes oder absurdes Selfie betrachtet haben, können und wollen wir das Gesehene natürlich noch ausgiebig mit jemandem diskutieren, analysieren und interpretieren. Selfies stellen also ein ausserordentlich nützliches Werkzeug dar, um sich dem bekannten, unangenehmen Schweigen während des Coiffeur-Besuches oder des Blind-Dates gekonnt zu entziehen.

Wenn euch diese Gründe noch nicht davon überzeugen konnten, dass Selfies an sich etwas Tolles sind, werdet ihr es bestimmt im zweiten Teil unserer Pro-Selfie-Reihe einsehen können.

Autorin: Jeannine Näf
Co-Autorin: Monika Stucki